27. Juni 2008

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Abgelegt unter: Berichte — Autor: squirrel — veröffentlicht um 17:52 Uhr

Der Black Forest Ultra Bike Marathon in Kirchzarten ist einfach unglaublich. Zum einen das riesige Starterfeld, zum anderen tausende von Zuschauern an der Strecke, die auch noch obendrein auf die Bedürfnisse eines solchen Starterfeldes zugeschnitten ist und auf der fast kein Wunsch der Fahrer unerfüllt bleibt.

Vielleicht wünscht sich der ein oder andere doch etwas mehr Trails. Klar ist aber, dass so etwas nur zu unnötigen Staus und Gerangel führen würde - das Starterfeld ist mit 4337 Teilnehmern einfach zu groß. Trotzdem bekommen alle den Schwarzwald von seiner schönsten Seite zu sehen - und von seiner härtesten.
So manchem Fahrer wird allein die Temperaturanzeige seines Tachos, der morgens um 8 Uhr schon 24 Grad anzeigte, den Schweiß auf die Stirn getrieben haben. Vielleicht hat aber auch der Gedanke an den ersten Anstieg hier und da für ein flaues Gefühl im Magen gesorgt. Über 20km geht es erst einmal fast 700hm bergauf. Wer solch einen Anstieg im Renntempo fahren will, sollte seine persönliche Leistungsgrenze und die Strecke schon wirklich gut kennen. Nach jeder Kurve hofft man innständig, einen Blick zur Passhöhe zu erhaschen. Und nach fast jeder wird man enttäuscht. Viel zu oft geht es weiter bergan und ist man endlich oben, freut man sich nicht mehr wirklich darüber.
Und auch die anschließende Abfahrt nach Hinterzarten kann eigentlich keiner so wirklich genießen. Taktik ist hier das große Stichwort. Wer Kräfte sparen will sucht sich eine schnelle Gruppe, in deren Windschatten man sich ziehen lassen kann. Breite Wege verführen hier nicht selten zu hoher Geschwindigkeit, auf dem weichen und feinen Schotter der Forstwege ist jedoch stets höchste Konzentration gefragt. Aus der Kurve getragen zu werden ist nicht wirklich eine große Kunst.
In Hinterzarten hat der Veranstalter 2008 die Verpflegungsstation von der Skischanze weg und direkt in den Ort verlegt. Ein eindeutiges Plus, denn hier sind die Touristen und Wanderer. Aus Cafés und vom Straßenrand angefeuert, mobilisiert man ganz sicher zusätzliche Kräfte. Aber spätestens wenn man am Titisee durch die von Zuschauern überfüllte Fußgängerzone fährt und diese fantastische Atmosphäre genießt, sind die ersten Qualen eh schon wieder vergessen. Die Freude über das Erreichte treibt weiter an. (Ganz in den Hintergrund tritt dabei zum Beispiel auch, dass der Führende der 77km-Distanz schon fast 26 Minuten früher am gleichen Punkt war.)
Was folgt ist ein breiter Trail zum Bärental bergauf, der in jedem Jahr trotz Hitze aus unerfindlichen Gründen irgendwie nass und schmierig ist. Die kurze Abfahrt auf dem Weg zur 2. Verpflegungsstation ist so kurz, dass sie fast nicht erwähnenswert ist. Den Nachschub an Kohlenhydraten und Wasser erreicht man allerdings nur nach Bestehen einer weiteren psychischen Belastungsprobe. Sollte sich ein unerfahrener Neuling auf einem Schotteranstieg hinter dem Raimartihof schon zu früh an seinem Kräftelimit bewegen, wird er ganz sicher auf den letzten Metern dieses Anstiegs bestraft. Denn wenn nur noch wenige Meter von der rettenden Abfahrt trennen, wird es noch einmal so richtig steil.
Selbst abgedroschene Binsenweisheiten wie “wo’s viel bergab geht, geht’s auch viel bergauf” gewinnen beim Ultra Bike Marathon eine ganz neue Bedeutung. Hat man nämlich die nächste Abfahrt (und vor allem die 180-Grad-Kurve an deren Ende) heil überstanden, wecken Schilder mit Aufschriften wie “ihr habt es ja so gewollt” oder “…und es macht Spaß” selbst bei völlig ausgelaugten Fahrern die nötige Agressitivät, die man braucht, um genau die 300 Negativ-Höhenmeter, die man soeben in gerade mal 3 Minuten vernichtet hat, wieder hochzukurbeln.
Sollte man der Meinung sein, so etwas nicht noch ein weiteres Mal zu überstehen, wird man am Stollenbacher Hof eines besseren belehrt: Wer vom Streckensprecher hunderten von Zuschauern mit Namen vorgestellt wird, steigt selbst bei 20 % Steigung mit anschließender Wurzelpassage nicht freiwillig ab. (Ganz nebenbei: auf den 15km zwischen der 2. und der 3 Verpflegung war der spätere Sieger nur schlappe 12 Minuten schneller als ich!)
Nach Oberried geht es ausnahmsweise nicht bergauf und man hat ein letztes Mal Gelegenheit zu etwas Entspannung. Nach der vorangegangenen Belastung ist aber selbst eine 8km lange Abfahrt auf breiten Forstwegen nicht ohne Risiko. Kleinste Konzentrationslücken führen hier immer wieder zu schweren Stürzen, die auf den späteren steilen und ruppigen Abfahrten vor dem kleinen Ort dann wieder eher die Ausnahme sind. Dort gilt es allerdings, sich kräftig am Bike festzuhalten, um nicht abgeschüttelt zu werden.
Die Oberrieder erwarten das Fahrerfeld jedes Jahr aufs Neue mit einem besonderen Service: Kalte Duschen für diejenigen, die die letzten 300hm auf glühendem Asphalt schon vor sich sehen. Wer hier überholt wird, liegt oder sitzt meistens mit Krämpfen am Straßenrand. Wer auf dem Bike sitzt, hofft nur auf ein schnelles Ende des Anstiegs und flucht gemeinsam mit dem Nebenmann.
Eine letzte Abfahrt durch Wiesen und über etwas groberen Schotter trennt die Fahrer noch vom ersehnten Ziel. Das erreicht man nach dem Durchfahren eines Camping-Platzes, dessen Bewohner sich immer wieder einen Spaß daraus machen, den ausgelaugten Bikern aus dem Liegestuhl zuzuprosten. Letztere denken aber wahrscheinlich noch nicht an die kühle Erfrischung, sondern an die kräftesparenste Möglichkeit, die beiden Übergänge über die Fußgängerwege zu überqueren. Diese Rampen, die man morgens vor dem Start noch ohne mit der Wimper zu zucken hinaufgerollt wäre, stellen am Ende doch ein ernstzunehmendes Hindernis dar.
Das Ziel erreicht man wie in Trance und kann eigentlich nicht glauben, dass es wirklich vorbei ist. Für einen kurzen Erfahrungsbericht für Freunde und Bekannte ist man zu müde und der Weg zum PKW mit frischen Kleidern bzw. dem Getränkestand erscheint unendlich weit. Die Frage nach dem “Warum?” kann zu diesem Zeitpunkt wohl keiner so wirklich überzeugend beantworten.

2 Stunden später ist all das aber wieder vergessen. Sind die Flüssigkeitsspeicher wieder aufgefüllt und der erste Hunger gestillt, die kalten Duschen besucht und die ersten Annekdoten erzählt, denkt man doch am Ende schon wieder an das, was man beim erneuten Start besser machen wird - und freut sich auf die Anmeldung zum nächsten Black Forest Ultra Bike Marathon…

Ergebnisse:

Marathon (77km/2050hm)

Notger HUGO: 4h 11min (Platz 253 Gesamtwertung)
Markus GEID: 5h 05min (Platz 850 Gesamtwertung)
Franz-Josef TINNES: 5h 22min (Platz 960 Gesamtwertung)
Uwe ZEWE: 4h 59min (Platz 983 Gesamtwertung)
Hans JOST: 6h 04min (Platz 1289 Gesamtwertung)
Jan-Oliver JOST: 6h 04min (Platz 1290 Gesamtwertung)

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